10.03.2020
Interview mit Stefan Bauer, dem Bürgermeisterkandidat von Freie Wähler/FCWG Schernfeld

Der Eichstätter Kurier im Gespräch mit unserem Bürgermeisterkandidat Stefan Bauer: "Zukunft gestalten - Heimat bewahren - Menschen mitnehmen“

Herr Bauer, Sie treten als Kandidat der Freien Wähler auf.

Ja. Die FREIEN WÄHLER passen sehr gut zu mir. Hier wir großen Wert gelegt auf eine sach- und themenbezogene Politik. Ich bin hier unabhängig von Parteivorgaben, kann aber bei Bedarf dennoch auf gewissen Parteistrukturen zurückgreifen. Ich bin zum Beispiel Mitglied im Landesarbeitskreis Energie. Hier erhalte ich aktuelle Studien zu Energiethemen, kann auf ein Netzwerk von Experten zugreifen und es gibt auch einen direkten Draht in den Landtag und ins Wirtschaftsministerium hinein. Das kann dann schon helfen bei Entscheidungen, die in unserer Gemeinde getroffen werden müssen. Seit 2015 bin ich ja auch Vorsitzender der Freien Christlichen Wählergemeinschaft Schernfeld, die als unabhängige Bürgerliste agiert und mit den Freien Wählern assoziiert ist.

Sie haben bei Audi ein guten Job. Warum wollen Sie Bürgermeister von Schernfeld werden?

Mir geht es in erster Linie darum, hier vor Ort gestalten zu können. Eine Gemeinde kümmert sich um die unmittelbaren Bedürfnisse der Bürger wie Wasserversorgung, Straßen, Kinderbetreuung, Grundschule, Bauplätze oder Gewerbegebiete. Das sind alles Dinge, die uns jeden Tag betreffen. Dazu muss eine Gemeinde auch einen ansprechenden Rahmen schaffen, damit die Bürger gut und gerne hier leben. Das betrifft dann z.b. den öffentlichen Nahverkehr oder eine gesicherte und zukunftsorientierte Energieversorgung. Eine funktionierende Gemeinde ist die Basis für unseren Staat und die Grundlage unserer Demokratie und Rechtsordnung. Das will ich persönlich fördern und weiterentwickeln.

Werden Ihnen die beruflichen Erfahrungen für die politische Aufgabe nutzen?

Auf jeden Fall. Einmal bin ich es gewohnt nach vorne zu schauen, zu versuchen gewisse Vorhersagen zu machen oder besser gesagt Annahmen zu treffen, was denn in der Zukunft passieren wird und was in der Zukunft gebraucht wird. Und ganz wichtig daraus dann Maßnahmen und Aktionen für heute abzuleiten. Zudem habe ich gelernt, wie man in großen und komplizierten Organisationen zurechtkommt und etwas erreichen kann.

Als Abteilungsleiter hatten Sie Verantwortung für die Mitarbeiter. Wie weit können Sie das in der Verwaltungsgemeinschaft nutzen?

Das Wichtigste für mich ist Mitarbeiter zuerst als Menschen zu sehen. Jeder hat hier erst mal berechtigte Bedürfnisse, Erwartungen an die Aufgabe und Erfahrungen, die er gerne in die Arbeit einbringen will. In der Verwaltungsgemeinschaft und Bauhof zusammen beschäftigen wir um die 20 Personen. Das ist auch die Größenordnung, die ich die letzten 10 Jahre geführt habe. Da kann man sich nicht hinter Hierarchien verstecken, sondern ist jeden Tag vor Ort gefordert. Ich habe mir angewöhnt mit jedem Mitarbeiter mehrmals die Woche -- möglichst täglich – zu reden und zu sehen ,was denn so ansteht und dann auch zu unterstützen. Natürlich ist es auch notwendig, klare Ziele zu setzen und deutlich zu sagen, wohin man will. 

IT und technische Einrichtungen, das sind doch ganz andere Themen als die Gemeindepolitik.

Das ist erst mal richtig. Allerdings sind ja IT und Technik keine Dinge, die alleine irgendwo rumstehen, sondern sie dienen immer einem Zweck. Beispielsweise habe ich mich lange mit dem Thema Mobilität beschäftigt und dabei auch eine Tochtergesellschaft von Audi mitbegründet. Da sieht man schnell, dass es interessante technische Lösungen gibt, die helfen können die Bedürfnisse der Menschen nach Mobilität zu stillen, etwa mit Car Sharing Angeboten oder bei intelligenten Routenplanungen für Busse. Das betrifft auch uns als Gemeinde in den nächsten Jahren ganz enorm. Ein anderer Bereich ist die bevorstehende Digitalisierung und Modernisierung unserer Verwaltung. Da hilft ein tiefes Verständnis von IT und Technik, um nicht auf jeden Quatsch reinzufallen aber und um die richtigen Anstöße zu geben, dass am Ende für jeden Bürger ein guter Service rauskommt und wir eine moderne und effiziente Verwaltung haben. Sie sehen, es gibt hier durchaus Überschneidungen.

Sie sind seit 2014 im Gemeinderat. Wie sehen sie die sechsjährige Mitverantwortung in der Gemeindepolitik?

Das war bislang eine sehr lehrreiche und spannende Zeit. Ich habe unseren Gemeinderat als ein Gremium kennengelernt, das gut und sachlich diskutieren kann und am Ende zu einer (meist) vernünftigen Entscheidung kommt. Diese Arbeitsweise liegt mir sehr und wir Freie Wähler tragen mit 8 von 16 Gemeinderäten sicherlich einen erheblichen Anteil daran.

Der Gemeinderat hat Ihnen die Aufgabe des Jugendbeauftragten übertragen.

Das hat mich besonders gefreut. Eine intensive Zusammenarbeit hat sich da vor allem mit der Jugendgemeinschaft Schernfeld entwickelt. Diese hat sich erst 2013 gegründet (da war mein Vorgänger Josef Beck ein wesentlicher Antreiber) und ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Schernfelder Dorflebens geworden mit aktuell über 90 Mitgliedern. Ihnen konnte ich des öfteren als Vermittler zwischen Gemeinde und Jugend helfen, z.b. beim Erhalt ihres Treffpunkts in Räumen des Rathauses.

Sie sind im Vorstand der Dorfentwicklkung als Vertreter des Bürgermeisters.

Die Gemeindeentwicklung hat mich ja erst in die aktive Politik gebracht. Ich war seit den ersten Anfängen 2011 sehr aktiv in dem Programm beteiligt in mehreren Arbeitsgruppen. Dort habe ich auch gemerkt, wie sehr mir die Gestaltung unserer Gemeinde am Herzen liegt und wie wichtig eine funktionierende Gemeinde ist. Nach den Vorbereitungen durch erste Arbeitsgruppen wurde 2015 das Programm durch das Amt für ländliche Entwicklung gestartet. Dazu gehört auch die Wahl eines Vorstands. Der Bürgermeister ist dort Pflichtmitglied und der Gemeinderat hat mich dann als seinen Vertreter bestimmt. Seitdem kann ich also auch in diesem zweiten Gemeindegremium mitwirken. Die Dorfentwicklung bietet für unserer Gemeinde viele Chancen. Sie bringt viel Geld mit, was wir gut in Infrastrukturmaßnahmen investieren wie den Dorfplatz in Sappenfeld, eine neue Straße in Langensallach, die Neugestaltung der Dorfmitten in Schernfeld sowie in Schönau oder eine Umgestaltung am Kirchbuck in Rupertsbuch. Zudem fördert die Dorfentwicklung auch die direkte Beteiligung der Bürger am Geschehen. Ich bin mir sicher, es werden sich hier noch einige Aktivitäten finden, die auch langfristig erhalten bleiben.

Worin sehen Sie den Wert der Vereine?

Ich glaube diesen kann man gar nicht überschätzen! Vereine (und auch anderer ehrenamtlichen Tätigkeiten) sind die Grundlage für unsere Dorfgemeinschaften. Und sie bieten in der Gemeinde ein sehr breites Spektrum an Möglichkeiten aber auch Unterstützung und Hilfen im täglichen Leben. Als aktives Mitglied bei einigen Vereinen wie Feuerwehr oder Schützen weiss ich, dass hier sehr viel Arbeit und Engagement vieler Gemeindebürger drinsteckt. Als Bürgermeister werde ich hier tatkräftig unterstützen und sehe das als eine vornehmliche Aufgabe der Gemeinde.

Nun konkret zu Ihrem Motto, bitte eine kurze Antwort.

„Zukunft gestalten:….“ Heißt für mich 20 Jahre nach vorne zu schauen und die großen Herausforderungen Energieversorgung, Mobilität und Betreuung in allen Lebensaltern jetzt anzupacken.

„Heimat bewahren: ...“ heißt für mich dafür zu sorgen, dass jede und jeder gut und gerne in unserer Gemeinde leben kann, dass alle täglichen Dinge reibungslos funktionieren. Zudem verbirgt sich hier auch der Schutz und Erhalt unserer wunderschönen Lanschaft

„Menschen mitnehmen...“ heißt für mich jedem Bürger mit Wertschätzung und Respekt begegnen, diese frühzeitig miteinbinden sowie transparent kommunizieren.

Das Gespräch führte Franz Bauer